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"Es zeigt sich an diesem Punkt bestimmt, wie die dialektische Form der Darstellung nur richtig ist, wenn sie ihre Grenzen kennt."
Karl Marx
 

Erschienen

 coverGerhard Scheit
Quälbarer Leib
Kritik der Gesellschaft nach Adorno
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Gerhard Scheit
Der Wahn vom Weltsouverän
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Gerhard Scheit, Wilhelm Svoboda
Treffpunkt der Moderne
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Jean Améry
Gerhard Scheit(Hg.)
Werke: Werke Bd.8: Ausgewählte Briefe 1945 - 1978: Bd 8
Autonomie versus Engagement? Word Dokument PDF DoKument Drucken
Über Adorno und Brecht   
Dem Bild, das in der literarischen und politischen Öffentlichkeit von Bertolt Brecht vermittelt wird, scheint die Kritik, die Theodor W. Adorno einmal am Werk dieses Schriftstellers geübt hat, nicht assimilierbar. Adorno figuriert im Zusammenhang mit Brecht meist nur als dessen sporadischer Gesprächspartner oder als Kollege Hanns Eislers im kalifornischen Exil, über den mit den despektierlichen Notizen aus dem Arbeitsjournal oder apokryphen Anspielungen auf die Kritische Theorie aus dem Tui-Romanfragment alles gesagt sei. Dieser blinde Fleck, welcher der alten und der neuen Linken, den strukturalistischen wie marxistischen, postmodernen wie antiimperialistischen Brecht-Interpretationen gemeinsam ist, macht deutlich, dass es ein drängendes Bedürfnis gibt, den Widerspruch loszuwerden, den Adorno in der Deutung der Brechtschen Texte entfaltet hat. Mit dem Widerspruch geht nicht zuletzt eine politische Dimension verloren, die es erst erlaubte, einen anderen Begriff von Engagement zu formulieren als den allseits geläufigen, mit dem Adorno im Engagement-Essay zu Gericht ging. In seiner Ästhetischen Theorie aber heißt es, durch Brecht sei „das Selbstbewußtsein des Kunstwerks als eines Stücks politischer Praxis dem Kunstwerk als Kraft wider seine ideologische Verblendung zugewachsen. Brechts Praktizismus wurde zur ästhetischen Formante seiner Werke und ist aus ihrem Wahrheitsgehalt, einem unmittelbaren Wirkungszusammenhängen Entrückten, nicht zu eliminieren.“
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Das gespaltene Subjekt des Erinnerns Word Dokument PDF DoKument Drucken
Über Alfred Hrdlicka und Jean Améry   

Das Subjekt des Erinnerns war ursprünglich ein Antifaschist, ein später Anhänger der Volksfront-Idee.

So wird es noch einmal beschworen vom Hrdlicka-Denkmal, dem „Denkmal gegen Krieg und Faschismus“ von Alfred Hrdlicka auf dem Wiener Albertinaplatz: Es blickt durch das „Tor der Gewalt“ hinauf zum Torso des Orpheus, der den Hades betritt und also den Widerstand symbolisiert – noch weiter hinauf zu dem hochragenden Stein, in den Teile der Regierungserklärung von 1945 gemeißelt sind.

Aber da liegt etwas vor diesem Subjekt auf dem Boden, das einem fast entgangen ist beim Blick auf den Widerstand und die Staats-Proklamation. Es ist die Figur des sogenannten „straßenwaschenden Juden“, der wie in dieser selber grauenerregenden Formulierung eingebaut wird in die steingewordene Selbstdarstellung des Staats. Im Zusammenhang der einzelnen Teile des Denkmals wird damit der fatale Schein erzeugt, die namenlosen Verbrechen seien eine Stufe gewesen auf dem Weg zu etwas Höherem: der Zweiten Republik, und hätten darum auch einen Sinn gehabt. Nur wenn man ganz nahe an die Figur heranrückt, sich womöglich neben sie hinkauert – auch um aus der Position des Täters herauszukommen – und die anderen Denkmalsteile ignoriert, mag man annehmen, sie wäre eine Darstellung der Verbrechen, die den jüdischen Naziopfern gerecht wird, und in ihr ballte sich überdies Widerstand zusammen: sie könnte sich erheben und sich wehren. Doch wie klein wäre sie dann noch immer, blickt man hinauf zu Orpheus und dem Stein des Staats.

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Europäischer Souverän als postnazistisches Tabu Word Dokument PDF DoKument Drucken
Notwendige Ergänzungen zum Jargon der Demokratie   
Am schlimmsten wird es, wenn das Feuilleton sich den Problemen der Nationalökonomie widmet: „Der Kampf der Finanzmärkte tobt sich in eine Erhitzung hinein, in der gegebenenfalls auch alle Gewinne verbrennen“, so Karl-Markus Gauß (Der Standard, 25./26. 6. 2011). Es tobt aber vor allem der erhitzte Bürger, der auf die Akteure der Finanzmärkte projiziert, was ihn selber antreibt. Er möchte die Finanzkrise als neuen Krieg verstanden wissen und meint, dass die „fanatischen Erzzocker des Finanzmarktes“ wie „Selbstmordattentäter“ agierten. Diese Wut hat offenkundig eine neue Intensität erreicht, seit es ruchbar wurde, dass Rating-Agenturen, die doch zu den brutalsten „Finanzmarkt-Hooligans“ (Gauß) zählen, auch die Kreditwürdigkeit von Staaten bewerten.
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