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Europäischer Souverän als postnazistisches Tabu |
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Notwendige Ergänzungen zum Jargon der Demokratie
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Am schlimmsten wird es, wenn das Feuilleton sich den Problemen der Nationalökonomie widmet: „Der Kampf der Finanzmärkte tobt sich in eine Erhitzung hinein, in der gegebenenfalls auch alle Gewinne verbrennen“, so Karl-Markus Gauß (Der Standard, 25./26. 6. 2011). Es tobt aber vor allem der erhitzte Bürger, der auf die Akteure der Finanzmärkte projiziert, was ihn selber antreibt. Er möchte die Finanzkrise als neuen Krieg verstanden wissen und meint, dass die „fanatischen Erzzocker des Finanzmarktes“ wie „Selbstmordattentäter“ agierten. Diese Wut hat offenkundig eine neue Intensität erreicht, seit es ruchbar wurde, dass Rating-Agenturen, die doch zu den brutalsten „Finanzmarkt-Hooligans“ (Gauß) zählen, auch die Kreditwürdigkeit von Staaten bewerten. |
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Gemeinschaftsneid und Strafbedürfnis |
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Über die zwei Formen des postnazistischen Bewusstseins
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Zu den Hunderten Szenen der Letzten Tage der Menschheit gehört auch die des herumtorkelnden „Schwerbetrunkenen“ in der „Elektrischen Bahn“ von Baden nach Wien, der im zivilen Leben ein Möbelpacker sein dürfte, Riesenfigur, buschiger Schnurrbart, Pepitahosen, welche die Spuren von übermäßigem Weingenuß und einer eben überstandenen gewaltsamen Entfernung vom Tatort zeigen. Er hat einen Sack neben sich, aus dem er hin und wieder eine Flasche hervorzieht. Er gerät mit einem Paar in Streit, weil er an das Mädchen angestoßen ist, bedroht den Begleiter, und brüllt die ganze Fahrt hindurch: A so a Binkel! – wüll sich da aufbrausnen – wos hom denn Sö fürs Votterland geleisteet? Legimitiern S’ Ihna! Vur mir! – Schaun S’mi an – solchene Söhne wia Sö hob i im Föld – die wos mehr Boart ham als wia Sö – die leisten wos – fürs Votterland – Wissen S’ von wo i kumm – von Boden kumm i – Sö Binkel – legimitiern soll’n S’ Ihna – Was glauben denn Sö – so aner – wüll sich da aufbrausnen – ’leicht weil S’ Ihner Muckerl bei Ihna ham – was ham denn Sö fürs Votterland geleisteet? – schaun S’ mi an – i leist was – fürs Votterland – A jeder soll aufbrausnen als wia der – Wos wolln denn Sö? Hab i Ihna vielleicht beleidigt? – Sö Binkel – i leist wos – legimitiern S’ Ihna - do schaun S’ her – wissen S’ wos dös is – a Földpostkarten von mein Neffen – fürs Votterland – Sö Binkel – legimitiern soll er sich – der Binkel – vur mir soll er sich legimitiern – hot nix geleisteet – für’s Votterland – (Nachdem er sich über Zureden des schwächlich aussehenden Kondukteurs ein wenig beruhigt hat, bietet er den Umsitzenden, auf die er abwechselnd fällt, die Flasche.) G’fällig Herr Nachbar – weil mir Österreicher san! … (nur noch lallend) Der Binkel! – fürs Votterland – legimitiern – … |
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Der Kitsch, der Tod und das Lachen |
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Interview mit Gerhard Scheit von Stefan Marx und Ana Ilic, 15.12. 2009
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Was ist literarischer Kitsch. Es gibt diesen Ausspruch von Adorno in der "Ästhetischen Theorie": "Der Kitsch lauert in der Kunst. Er ist also kein Abfallprodukt." Wie eng ist die Verbindung zwischen moderner Literatur und Kitsch? Wie erkenne ich subtile Formen von literarischem Kitsch? Wie kann ich mich dagegen wappnen, wenn ich will? Im Grunde denke ich, dass man da gar nicht in dieser Allgemeinheit weit kommt. Wenn man dennoch ganz allgemein über Kitsch sprechen möchte und so eine Art Definition des Kitsches versucht, aber eben mit der Einschränkung, dass man auf dieser allgemeinen Ebene nicht weiterkommt als zu den allerallgemeinsten Bestimmungen, dann könnte man sagen, Kitsch zeichnet sich dadurch aus, dass er - mit Bewusstheit würde ich sagen, obwohl man über diese Bewusstheit auch sprechen müsste, weil Kitsch entsteht ja auch aus einer gewissen Spontaneität heraus - dass Kitsch immer die Widersprüche unterdrückt; dass Kitsch darin besteht, die Widersprüche nicht zur Geltung zu bringen, nicht zuzulassen. Dadurch entsteht diese spezifische Atmosphäre des Kitschigen. Man kann nicht einmal sagen: Kitsch ist eine falsche Versöhnung, denn soweit kommt es gar nicht, dass die Widersprüche irgendwie entfaltet werden, sodass sie dann auf falsche Weise versöhnt werden könnten, sondern Kitsch lässt die Widersprüche erst gar nicht zu. Und daraus ergibt sich die Stimmung des von vornherein Versöhnten, dass also überhaupt keine Versöhnung nötig sei. |
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