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Der Kitsch, der Tod und das Lachen |
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Interview mit Gerhard Scheit von Stefan Marx und Ana Ilic, 15.12. 2009
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Was ist literarischer Kitsch. Es gibt diesen Ausspruch von Adorno in der "Ästhetischen Theorie": "Der Kitsch lauert in der Kunst. Er ist also kein Abfallprodukt." Wie eng ist die Verbindung zwischen moderner Literatur und Kitsch? Wie erkenne ich subtile Formen von literarischem Kitsch? Wie kann ich mich dagegen wappnen, wenn ich will? Im Grunde denke ich, dass man da gar nicht in dieser Allgemeinheit weit kommt. Wenn man dennoch ganz allgemein über Kitsch sprechen möchte und so eine Art Definition des Kitsches versucht, aber eben mit der Einschränkung, dass man auf dieser allgemeinen Ebene nicht weiterkommt als zu den allerallgemeinsten Bestimmungen, dann könnte man sagen, Kitsch zeichnet sich dadurch aus, dass er - mit Bewusstheit würde ich sagen, obwohl man über diese Bewusstheit auch sprechen müsste, weil Kitsch entsteht ja auch aus einer gewissen Spontaneität heraus - dass Kitsch immer die Widersprüche unterdrückt; dass Kitsch darin besteht, die Widersprüche nicht zur Geltung zu bringen, nicht zuzulassen. Dadurch entsteht diese spezifische Atmosphäre des Kitschigen. Man kann nicht einmal sagen: Kitsch ist eine falsche Versöhnung, denn soweit kommt es gar nicht, dass die Widersprüche irgendwie entfaltet werden, sodass sie dann auf falsche Weise versöhnt werden könnten, sondern Kitsch lässt die Widersprüche erst gar nicht zu. Und daraus ergibt sich die Stimmung des von vornherein Versöhnten, dass also überhaupt keine Versöhnung nötig sei. |
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Alpendonaunazis für Ahmadinejad |
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Über die abendländischen Freunde des Jihad und ihr eigentliches Feindbild
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von Renate Göllner und Gerhard Scheit Sie brüllen "Daham statt Islam" und bewundern die Djihadisten. Die unter österreichischen Neonazis besonders beliebte Homepage Alpen-Donau-Info, die nicht anders als Kronen Zeitung und FPÖ das "Abendland in Christenhand" wünscht, ist zugleich auf Distinktionsgewinn aus: "Mit billiger Moslemfeindlichkeit kühlt man sein Mütchen. Wir haben kein Religionsproblem, sondern ein Ausländerproblem!" Hier im engen Kreis der Weitblickenden denkt man in Großräumen und distanziert sich, was die Berichterstattung über den Iran betrifft, heftig von der kleinräumigen Boulevardzeitung, mit der sich anzulegen sonst niemand wagt, nicht einmal die Präsidentschaftskandidatin der Boulevardepartei, die einst Haider groß gemacht hat. Und da bricht inmitten der Ausländerfeindlichkeit der Neid auf das weltweit so erfolgreiche Konkurrenzunternehmen in Sachen Barbarisierung hervor: darauf, dass es im anderen Großraum die Führer gibt und die Rackets: Ahmadinejad und Khamenei, die Revolutionsgarden und die Basiji; dass man dort steinigen darf, wer sich der Gemeinschaft nicht fügt; vor allem aber, dass nur noch dort dem gemeinsamen Feind, der die Grenzen niederreißt und den freien Verkehr von Kapital und Arbeitskräften organisiert und garantiert, die Stirn bietet: Der Iran sei der "letzte freie Staat". |
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Über die Proteste im Iran.
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Wer wie Jürgen Elsässer eine deutsche Volksinitiative gründet, um auch in Deutschland die „Strichjungen des Finanzkapitals“ in den „Darkroom“ des Volksempfindens zu befördern, hat ein gewisses Gespür dafür, wo das Moment der Protestbewegung liegt, das nicht mit dem Regime identisch ist. „Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“ Was die Protestierenden offenkundig eint, ist nicht die Parole, alles Private ist politisch, sondern dessen Verteidigung gegen Tugendwächter, die in den letzten Jahren immer öfter darin eingedrungen sind. In diesem Bezugspunkt liegt ihre Stärke wie ihre Schwäche. Darum wählten sie, wer ihnen als Repräsentant der Privatheit galt: Mir Hussein Moussavi, in den 80er Jahren Premierminister und für namenlose Greuel verantwortlich, hatte sich, danach als Architekt und Maler arbeitend, zurückgezogen. Seinen Erfolg im Wahlkampf verdankte er nicht zuletzt der Unterstützung durch seine Frau, eine Bildhauerin und Autorin, die aber einmal Rektorin der Frauenuniversität war und sich als Beraterin des Präsidenten Khatami an den politischen Verbrechen des Regimes beteiligte, ehe auch sie privatisierte. |
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