| Rettung der Natur und Verdrängung des Souveräns: |
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| Umweltschutz als antikapitalistischer Wahn | ||||||||
| Aus: Phase 2, Nr. 27, 2008 | ||||||||
Solange es ein göttliches Subjekt der Geschichte gibt, fungiert Natur lediglich als eine Art Futteral für den Menschen. Das galt auch noch für die letzte Erscheinungsform dieses Subjekts: die vergöttlichte Arbeiterklasse. Marx bewährte sich als Atheist und rettete die Kritik, als er gegen die Verdrängung der Natur im Gothaer Programm polemisierte: "Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit, die selbst nur die Äußerung einer Naturkraft ist, der menschlichen Arbeitskraft."[1] Für die Ideologen der Arbeiterklasse war das die schwerste narzißtische Kränkung, für die Ideologen aller Klassen nur noch von Freuds Trieblehre übertroffen, wonach das Ich daran krankt, daß seine Moral nicht die Quelle allen Glücks ist. So mußte Horkheimer und Adorno die Natur in einem viel weiteren Sinn zum Problem werden. Der Einklang mit ihr, der bei Marx noch durch den vernünftigen, planvollen Umgang mit dieser Quelle des Reichtums mit Händen greifbar schien,[2] stößt nun auch im Innern des Individuums, in seinem Bedürfnis, sich selbst zu erhalten, auf größten Widerstand: Trieb und Vernunft schließen einander desto fühlbarer aus, je weiter sich die Zivilisation entwickelt.Revolution heißt damit auch "Eingedenken der Natur im Subjekt"[3]. So wenig Adorno und Horkheimer sagen können, wie dieses Eingedenken konkret zu realisieren wäre, sie lassen keinen Zweifel daran, worin seine Negation im allgemeinen resultieren muß: der Naturzustand verewigt sich inmitten der Gesellschaft; in deren eigensten Gesetzen lebt fort, was als endgültig besiegt und bezwungen gilt. Gesellschaft bleibt selber im Bann der Naturgeschichte: als "zweite Natur" fällt sie mit der ersten zusammen. "Jeder Versuch, den Naturzwang zu brechen, indem Natur gebrochen wird, gerät nur um so tiefer in den Naturzwang hinein. So ist die Bahn der europäischen Zivilisation verlaufen."[4] Diese Bahn verfolgten Adorno und Horkheimer zurück bis zu Homer: ihr Naturbegriff nötigte sie förmlich dazu, zwischen kapitalistischer Produktion und deren Vorformen nicht mehr scharf zu unterscheiden. Das schien der Preis zu sein, um Natur in solcher Ambiguität überhaupt zur Sprache zu bringen und damit über den Marxismus hinauszugehen - wie umgekehrt die vollständige Abwicklung der Kritischen Theorie (ob bei Habermas oder im Poststrukturalismus) davon ausgehen konnte, daß die unaufhebbar ambigue Frage der Natur wieder aus der Gesellschaftstheorie verbannt und zur Beute der Grünen geworden war. Doch die fundamentale Zweideutigkeit des Naturbegriffs läßt sich durch Mülltrennung nicht entsorgen: Wenn die blinde Gesetzmäßigkeit von Herrschaft denselben Namen trägt wie das, was ihr zugleich zum Opfer fällt, dann bleibt nicht nur offen, was Natur eigentlich ist, sondern auch, was für sie getan werden kann. |
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